Artikel von Gundi Klemm
erschienen in der:

Solothurner Zeitung, 9. Mai 06


Brilliante "Spitzen"-Ergebnisse

Solothurn 11. Internationaler Wettbewerb für klassisches Ballett im Konzertsaal – 7. Mai 2006

Seit nunmehr elf Jahren hat sich der Solothurner Ballett-Tag für 11-17jährige Nachwuchstänzerinnen und -tänzer etabliert. In diesem Jahr machten bei den 79 Angemeldeten zahlreiche Talente und darunter besonders sprungstarke junge Männer auf sich aufmerksam. Die Mädchen aus der Region platzierten sich überaus erfreulich.

Die Einheimische Stéphanie Erb (Jg.1989, Kat. 1), die nach ihrer Ausbildung in der hiesigen Ballettschule Barbara Bernard seit einem halben Jahr die Staatliche Hochschule in Mannheim besucht, hat seither an Technik, Reife und Ausstrahlung deutlich gewonnen. Mit grosser, auch rhythmischer Sicherheit und stets einem feinen Lächeln auf den Lippen überzeugte sie die Jury in Vorausscheidung, Halbfinale- und im Finale. Ihre Schlussnote von 8.43 wurde nur von Johannes Schmidt (Palucca Schule Dresden) mit seinem brillanten Ergebnis von 9.57 Punkten übertroffen. Seine Sprungkraft und Körperhaltung begeisterten das Publikum ausserordentlich. Die 7-köpfige Jury hatte sich dem schwierigen, an Nachwuchswettbewerben aber üblichen Modus unterzogen, jugendliche Tänzerinnen und Tänzer in der gleichen Gruppe zu bewerten. Die jeweiligen Trainingsleiterinnen der drei Altersstufen: Monique Ammann (Kat.3), Genevieve Chaussat (Kat.2) und Iskra Zankova (Kat.1) bauten in ihr Prüfungsprogramm besondere Bewegungskombinationen für die gesamthaft 11 jungen Tänzer ein. Im Anschluss an die ersten beiden Selektionsdurchgänge wurden diejenigen Teilnehmenden bekannt gegeben, die die nächste Auswahlstufe bestreiten konnten. Enttäuschte trösteten sich dann gegenseitig mit der Aussicht auf kommende Wettbewerbserfolge etwa am nächsten Solothurner Ballett-Tag am 13. 5. 2007. Auch die vielen begleitenden Lehrkräfte aus den 33 in- und ausländischen Schulen sowie die mitgereisten Eltern blieben wichtig für die seelische Balance. Denn zur Endausscheidung in den drei Altersstufen waren nur noch 21 Kinder und Jugendliche zugelassen.

 

Photo J.Chr. Colin

Leicht und exakt
Für eine grosse Überraschung sorgte die gerade 12-jährige Stefanie Nuozzi (Ballettschule Bernard Solothurn/Grenchen), die erst seit eineinhalb Jahren ihre Tanzbegeisterung entdeckt hat. Mit grosser Konzentration, aber auch einer mühelos wirkenden Leichtigkeit in der Ausführung der Schrittfolgen errang sie in der Unterstufe den hoffnungsvollen zweiten Platz mit 7.43  hinter der sehr überzeugenden Xenia Füger (Uster) mit 8.14. Viele Augen richteten sich auf die im Kanton Solothurn bereits bekannte Jung-Balletteuse, die 14-jährige Desirée Abric (Ballettschule Bernard), die sich im letzten Jahr auf den ersten Unterstufen-Platz tanzte. In der Mittelstufe gelangte sie diesmal auf Platz 5 mit 6.71 Punkten. "Ich hab wirklich mein Bestes gegeben", meinte sie unverzagt. Denn die letztjährige, um ein Jahr ältere Gewinnerin Maude Andrey (Ecole de Béthusy, Jg.1991) blieb mit 8.57 vor der letztjährig Zweitrangierten Célicia Haas (Ecole G. Chaussat) unangefochten an der Spitze. Auch in dieser Gruppe gefiel mit dem 14-jährigen Marcel Henning (Palucca-Schule Dresden) ein fähiger junger Tänzer, der sehr berechtigt den 4. Rang eroberte. Das Reglement sieht vor, dass die Mädchen von der 2. Kategorie an ihr Prüfungsprogramm im Ballettschuh absolvieren.

Wie immer ein Genuss
Wer nicht als mitfiebernder Angehöriger im Publikum sass, erlebte zauberhafte Auftritte der jungen Leute, die Trainingsfleiss, Durchhaltewillen, bemerkenswerte Musikalität und tänzerische Begabung spiegelten. Die Anlass-Organisation - nach solidem Aufbau durch Barbara Schäfer und Barbara Bernard - nun als "dance competition solothurn 06" unter den Fittichen des Schweizerischen Ballettlehrerverbandes SBLV - hinterliess einen guten Eindruck. Die Verbandsleitung zeigte sich besonders erfreut über die finanzielle Unterstützung durch die Stadt Solothurn, den kantonalen Lotteriefonds und über die als sehr geeignet bezeichneten Örtlichkeiten im Konzertsaal. In diesen Rahmen passte auch das "Tanzfenster", das neun Schülerinnen der Ecole de Danse de Genève nach dem Wettbewerb als stimmungsvolle "neoklassische" Bewegungsgestaltung (Choreografie Geneviève Chaussat) darboten. Wie seit langen Jahren gewohnt fand Pianist Robert Ashby in der Klavierbegleitung den richtigen Ton und Takt, um die Elevenschar zu Höchstleistungen anzuspornen. In der Preisverleihung zeichnete Verbandspräsidentin Susanne Natiez Frutig die Gewinnerinnen und Gewinner mit Medaillen und zudem mit Förderpreisen in Form von Trainingswochen aus.

Rangliste
Kat. 1 (Jahrgang 1989 und 1990): Johannes Schmidt (Dresden, 9.57); Stéphanie Erb (Mannheim, 8.43); Talissa Weder (Zürich, 7.0)
Kat. 2 (Jahrgang 1991 und 1992): Maude Andrey (Lausanne, 8.57); Célicia Haas (Genf, 8.14); Mercedes Maria Schindler (Wien, 8.0)
Kat. 3(Jahrgang 1993 und 1994): Xenia Füger (8.14, Uster); Stefanie Nuozzi (7.43, Solothurn-Grenchen); Ellen Hostettler (7.43, Zürich)

Gundi Klemm

 

Folgende Schulen haben am diesjährigen Wettbewerb teilgenommen:

Académie de Ballet Neuchâtel H. Meister, Neuenburg; Atelier de danse Delémont; Atelier Rainbow, Rüschlikon; Ballettschule Theater Basel; Ballet and Dance Center Limmattal C. Meier, Ober­eng­stringen; Ballettschule B. Bernard, Solothurn/Grenchen; Ballettschule Cabriole, Münsingen; Ballett­schule Erlenbach; Ballettschule für das Opernhaus Zürich;  Ballettschule Graf/Weissbarth, Brugg; Ballettschule Uster E. Gasser, Uster; Ballettschule an der Wiener Staatsoper, Wien; Ballett-Studio Halamka, Bern; Ballett-Studio M. Ballabio, Thalwil; ballirina Ballett- und Tanzschule, Chur; Conservatoire de Fribourg C. Held, Fribourg; Dance Art Studio,  Luzern; Danse Etude AFJD, Ecole de Béthusy, Lausanne; Ecole de danse classique G. Chaussat, Genève; Ecole de danse classique E. Mondino, Nyon; JC Equilibre, Neuchâtel; Kitri-Ballettschule C. Pfister, Hochdorf/Uster; Mignon-Dance-Center, Aarau; Palucca Schule Dresden, Hochschule für Tanz; Tanz­akademie Zürich (Departement Tanz HMT Zürich); Scuola di danza M. Selvini, Chiasso; Staatliche Hoch­­schule für Musik und Darstellende Kunst, Mannheim; TanzCenter Hermanos Lopez, Embrach; Tanzpalette Belp; The Basel Dance Academy, Basel; The Moving Factory D. Brunner, Locarno; Zürcher Kinderballett-Theater E. Benz, Zürich.