© Solothurner Zeitung, 15. Mai 2007
Artikel von Gundi Klemm

 

Ballett auf allerhöchstem Niveau
Konzertsaal - 12. Internationaler Ballett-Wettbewerb in Solothurn mit erfreulichen Leistungen

Solide Arbeit, wenn auch nicht die überragenden Spitzenleistungen wie im Vorjahr, bestimmte den Internationalen Wettbewerb für klassisches Ballett. Erneut bot der Solothurner Konzertsaal den richtigen Rahmen für diesen von 80 Jugendlichen besuchten Tanznachwuchs-Wettbewerb.

Aus regionaler Sicht darf man sich über einen Erfolg freuen. Stefanie Nuozzi, unvergessen als «Aschenputtel» aus dem gleichnamigen Weihnachtsmärchen der Ballettschule Barbara Bernard, Solothurn/Grenchen, wurde wie im letzten Jahr zweite Kategoriensiegerin bei den 13-/14-jährigen Jugendlichen. Dank ihrer Konzentration glich sie ihren etwas schwachen Start in der Vorausscheidung mit einem besseren Ergebnis im Semi-Finale aus. Ihr Auftritt im Finale, in dem sie alle gestellten Aufgaben brillant erfüllte, brachte sie mit gesamthaft 7.43 Punkten an die Erstplatzierte Ellen Hostettler aus Zürich (2006: Rang 3) mit 7.71 Punkten heran.

Junge Männer wiederum in Unterzahl
Julia Brotschi, gleichfalls von der Ballettschule Bernard, konnte sich in der mit 35 Jugendlichen beschickten Kategorie 2 der 14-/15-Jährigen über einen 7. Schlussrang mit 5.71 Punkten freuen. Unangefochtene Siegerin dieser Gruppe war die Wienerin Mercedes Maria Schindler (8.86 Punkten), die schon letztes Jahr mit ihrer Gestaltungsfähigkeit auf sich aufmerksam machte. Unter den jungen Tänzerinnen dieser Gruppe befanden sich auch drei junge Männer, die sich beachtlich im Finale positionierten. Allerdings fehlte ihnen noch etwas von der Ausstrahlung und dem tänzerischen Können der Nachwuchstänzer aus Dresden, die 2006 mit ihrem Auftritt am Tanztag in Solothurn für so viel Aufsehen gesorgt hatten. Diesmal waren sie nicht dabei. Wer von diesem Flair indes schon etwas mitbrachte, war der sprungstarke Manuel Wahlen (Ballettschule Cabriole, Münsingen). Obwohl durch eine vorherige Auftrittswoche in Thun noch sehr beansprucht, schaffte er es auf den 4. Platz der Kategorie 1. In wenigen Wochen, wenn der 17-Jährige die Schule beendet hat, wird er an die renommierte Ballettschule bei John Neumeier in Hamburg wechseln. An die Spitze der obersten Leistungsgruppe tanzten sich mit zauberhafter Leichtigkeit und Körperbeherrschung Andrey Maude (Lausanne) mit 9.14 Punkten und Celicia Haas (Genf) mit 8.00 Punkten. Die beiden Mädchen aus der Romandie hatten schon letztjährig ihre Altersgruppe dominiert. Auch sie wechseln im Sommer in eine Berufsfachklasse Ballett.

Echte Patzer gab es nur selten
80 tanzbegeisterte junge Leute präsentierten ihre tänzerische Technik einer aus internationalen Fachleuten berufenen Jury. Die Selektion umfasste nach dem ersten Durchgang an der Stange zwei weitere durch die Lehrkräfte Isra Zankova, Oliver Dähler und Sabrina Külhan-Gygax geführte Trainingsauftritte. Bewundernswert war, wie die Teilnehmenden die jeweils nur kurz angedeuteten Ballettschritt-Kombinationen memorierten und in graziöse Folgen umsetzten. Trotz hoher Anspannung aller Beteiligten entdeckte das Publikum nur ganz selten einen wirklichen «Patzer». Am Glück hervorragender Platzierungen freuten sich natürlich die mitgereisten Familien der Elevinnen und Eleven ganz besonders. Nicht wegzudenken vom Solothurner Ballett-Wettbewerb war wieder Pianist Robert Ashby, der nur eine kurze Bewegungsgestik gekonnt in stimmige Musikfolgen umsetzte.

Mit dem «Tanzfenster Intermezzo», das jeweils schweizerischen Ballett-Institutionen eine Vorführung vor der Rangverkündigung offeriert, hat der den Anlass organisierende Schweizerische Ballettlehrerverband SBLV die «dance competition solothurn 07» auf interessante Weise bereichert. Nach der Zürcher Hochschule für Musik und Theater, der Genfer Ecole de danse classique in den beiden Vorjahren zeigte jetzt die Ballettschule Theater Basel, wie klassische sowie gymnastisch-artistische Show-Elemente heutzutage Teil der Tanz-Ausbildung sind.

Gundi Klemm

 

Rangliste

Kat. 1 (Jahrgang 1990 und 1991):
Andrey Maude, Danse Etude AFJD, Ecole de Béthusy, Lausanne (9.14)
Haas Célicia, Ecole de danse classique G. Chaussat Genève (8.00)
Peixoto-Rodrigues Aurélia, Geneva Dance Center (7.33)

Kat. 2 (Jahrgang 1992 und 1993):
Schindler Mercedes Maria, Dance Arts Wien (8.86)
Favre Benoît, Tanz Akademie Zürich (7.14)
Roth Tiffany, Ecole de Danse M. Grandjean Corcelles (6.57)

Kat. 3 (Jahrgang 1994 und 1995):
Hostettler Ellen, Ballettschule für das Opernhaus Zürich (7.71)
Nuozzi Stefanie, Ballettschule B. Bernard, Solothurn/Grenchen (7.43)
Dupont Sarah, Geneva Dance Center (7.17)

Folgende Schulen haben am diesjährigen Wettbewerb teilgenommen:

Académie de Danse C. Held (Conservatoire de Fribourg) Vilars-sur-Glâne, Akademie des Tanzes (Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst) Mannheim, Area Danza Bellinzona, Art Dance Yverdon-les-Bains, AS Ballett Boll, Ballettcenter G. von Arb Zürich, Ballettschule B. Bernard Solothurn/Grenchen, Ballettschule Cabriole Münsingen, Ballettschule Erlenbach, Ballett­schule für das Opernhaus Zürich, Ballettschule Theater Basel, Ballettschule Lambert Rapperswil, Ballettschule R. Schwarz Männe­dorf, Ballettschule E. Gasser Uster, Ballett-Studio Halamka Bern, Dance Academy Silva Thun, Dance Arts Wien, Danse Etude AFJD Ecole de Béthusy Lausanne, Ecole de danse classique G. Chaussat Genève, Ecole de Danse M. Grandjean Corcelles, Geneva Dance Center, Kitri- Ballettschule C. Pfister Hochdorf/Uster, Scuola di danza M. Selvini Chiasso, Tanz Akademie Zürich, Tanzpalette Belp, The Basel Dance Academy, The Moving Factory Locarno, Zürcher Kinderballett-Theater E. Benz.